Wie Dr. Oetker reagiert


Der neue alte Schwindel

Dr. Oetker Pur Crema Choc


So schwer können die Beschwerden eigentlich nicht zu verstehen gewesen sein. Schließlich sind es inzwischen mehr als 4.600 Verbraucher, die Dr. Oetker irreführenden Prozentangaben und überzogenen Qualitätsversprechen auf dem „Pur Choc“-Pudding vorgeworfen haben. Und nicht nur das. Nach der abgespeist.de-Veröffentlichung hatte die Verbraucherzentrale Dr. Oetker sogar unter Androhung einer Klage aufgefordert, die irreführende Werbung zu unterlassen. Doch wie reagiert das deutsche Traditionsunternehmen auf die geballte Kritik? Mit einer Alibi-Aktion, die Verbraucher nur verhöhnt.

Dr. Oetker ändert die Verpackung, aber nicht die Verbrauchertäuschung

Im Dezember 2009 hatte abgespeist.de „Pur Choc Tansania Edelbitter“ als Etikettenschwindel entlarvt: Der Pudding warb zwar mit „75% Kakao in der Schokolade“, enthielt tatsächlich aber nur 1,875% Kakao aus Tansania. Der Rechentrick: Die „75% Kakao“ bezogen sich lediglich auf magere 2,5% Schokoladenanteil im Pudding. Und auch hochwertige Edelkakaobohnen steckten trotz der Bezeichnung „edelbitter“ nicht drin. Seit August 2010 verkauft Dr. Oetker den „Pur Choc Tansania Edelbitter“-Pudding nun in einer neuen Verpackung. Damit reagiert der Konzern zwar formal auf eine juristische Abmahnung der Verbraucherzentrale – eine tatsächlich ehrliche Verpackung ist dabei allerdings nicht herausgekommen.

Nach wie vor wirbt Dr. Oetker mit „echter Herkunftsschokolade“ und dem „intensiv schokoladigen“ Geschmack. Statt „Pur Choc“ heißt der Pudding nun „Pur Crema Choc“. Und statt „75% Kakao in der Schokolade“ steht jetzt „enthält Schokolade mit 75% Kakao“ auf der Verpackung. Zwar sind die „75%“ auf der neuen Verpackung nicht mehr ganz so prominent hervorgehoben, drauf stehen sie aber nach wie vor. Die Rezeptur ist dabei übrigens dieselbe geblieben. Verbesserung in Sachen Verbrauchertäuschung also: Keine.

Gerade angesichts mehrerer tausend direkter Verbraucherbeschwerden ist diese Alibi-Umgestaltung der Verpackung beschämend für ein Unternehmen, das in einer Imagebroschüre behauptet: „Seit vielen Jahrzehnten steht Dr. Oetker laufend in direkter Verbindung mit dem Verbraucher und orientiert sich an dessen Bedürfnissen“. An anderer Stelle heißt es: „Was die Marke Dr. Oetker verspricht, ist stets eingehalten worden. Die Erwartungen der Verbraucher wurden nie enttäuscht“. Aha. Haben die Werbetexter von Dr. Oetker zu viel Pudding gegessen, der in hohen Dosen möglicherweise zu Realitätsverlust führt? Schließlich gehen seit Monaten Verbraucherzuschriften wie diese bei Dr. Oetker ein:

„Wir benutzen seit Jahr und Tag ganz selbstverständlich Dr. Oetker-Produkte. Es ist bedauerlich, dass wir diese ‚Selbstverständlichkeit’ überdenken müssen. Ein Unternehmen mit diesem ‚guten Namen’ sollte solche Tricks nicht nötig haben“

„Meine Familie und ich werden in Zukunft Dr. Oetker Produkte meiden, da wir uns von Ihnen desinformiert und verschaukelt fühlen“

„Schade, dass auch eine Firma wie Dr. Oetker Verbraucher so stark manipuliert. Ich werde mir ab jetzt überlegen, ob ich überhaupt noch einmal etwas aus ihrem Sortiment kaufen werde“
Dr. Oetkers berühmter Werbeslogan lautet „Qualität ist das beste Rezept“. Ehrlichkeit gehört für den Konzern aber offenbar nicht dazu. Das zeigt der Fall „Pur Choc“ ganz klar. Die neue Verpackung ist ebenso irreführend wie die alte. Dr. Oetker suggeriert eine „Edel“-Qualität, die das Produkt tatsächlich nicht bietet.

Letztlich verhöhnt der Oetker-Konzern Verbraucher mit dieser vermeintlichen Verbesserungsaktion. Das dürfen wir uns nicht gefallen lassen. Fordern Sie Dr. Oetker darum auf, die Verpackung von „Pur Crema Choc“ wirklich zu verbessern und der Verbrauchertäuschung ein Ende zu machen. Unterzeichnen Sie jetzt unsere neue Mitmachaktion und schreiben Sie Dr. Oetker.

Dr. Oetkers Antwort auf die abgespeist-Aktion

8. Februar 2010 | Wie reagiert Dr. Oetker auf die Kritik an seinem Schokoladenpudding „Pur Choc 75% Kakao Tansania edelbitter“? Ganz einfach: Das Unternehmen benennt die Mogelpackung einfach um – zumindest in dem Antwortschreiben an die Teilnehmer der Mitmach-Aktion. Ansonsten sind sich die Bielefelder Puddingproduzenten keiner Schuld bewusst. In der Schule gäbe es für die Rechentricks des Unternehmens in Mathe zwar die Note 1 – in Ethik aber eine glatte 6.

Mehr als 3.500 Verbraucher haben sich bei Dr. Oetker über die Aufmachung des Schokoladenpuddings „Pur Choc 75% Kakao Tansania edelbitter“ beschwert. Denn der erweckt den Eindruck, dass es sich um ein Produkt mit einem besonders hohen Kakaoanteil handelt. Unübersehbar wird auf der Verpackung das Versprechen „75% Kakao in der Schokolade“ beworben. Dumm nur, dass Pur Choc gerade einmal 2,5% Schokolade enthält. Damit stecken in einem Becher Pudding letztendlich nur 1,875% Kakao aus Tansania.

In seinem Antwortschreiben bestätigt Dr. Oetker, dass der Pur-Choc nicht einmal 2% Tansania-Kakao enthält. Der Grund dafür: „Schokoladenpudding besteht aus verschiedenen Zutaten wie z.B. Milch, Stärke, Zucker sowie die für den Geschmack verantwortliche Schokolade und das Kakaopulver“. Das hat auch niemand bezweifelt. Weiter heißt es: „Ein Pudding mit 75% Kakao wäre ungenießbar“. Auch das ist richtig. Was man bei Dr. Oetker aber anscheinend nicht einsehen will: Der groß gezogene Aufdruck „75%“ – der darunter stehende Schriftzug „Kakao in der Schokolade“ ist ungefähr zehnmal kleiner – erweckt bei Verbrauchern den Eindruck, dass es sich hier um ein besonderes gehaltvolles, da hochprozentiges Produkt handelt. Erst durch einen genauen Blick in die Zutatenliste und mehrere Rechenschritte wird klar, dass der beworbene Kakaoanteil gerade einmal 1,875% des Gesamtproduktes ausmacht.

Interessanterweise nennt Dr. Oetker das Produkt in seinem Antwortschreiben an die Teilnehmer der Aktion mittlerweile „Pur Choc 75% Kakao in der Schokolade Tansania Edelbitter“ – auf den Internetseiten des Unternehmens ist jedoch nach wie vor von „Pur Choc 75% Kakao Tansania edelbitter“ die Rede.

Weil die Bezeichnung „Tansania edelbitter“ nahelegt, es könnte sich bei der Schokolade im Pur-Choc-Pudding um Edelschokolade handeln, wollten foodwatch und die 3.500 Teilnehmer der Mitmach-Aktion außerdem wissen, ob die Schokolade tatsächlich aus Edelkakao hergestellt wird. Für Dr. Oetker erneut die Gelegenheit, darauf hinzuweisen, „dass die Bezeichnung ‚Schokolade edelbitter‘ nicht gleichzusetzen ist mit Edelschokolade“.

Das sehen weite Teile der Lebensmittelindustrie jedoch anders: Nach gängigem Handelsbrauch – Gewohnheiten, die sich im Geschäftsverkehr eingebürgert haben und die als Regeln befolgt werden – sollen bei Edelschokolade mindestens 40% der verarbeiteten Kakaomasse aus Edelkakao bestehen. Ein Handelsbrauch, denn man bei Dr. Oetker anscheinend nicht kennt. Oder geflissentlich ignoriert. Denn schließlich ist herkömmliche Schokolade deutlich billiger als Edelschokolade.

Das Beispiel zeigt übrigens einmal mehr ganz deutlich: freiwillige Regeln wie „Handelsbräuche“ nutzen Verbrauchern herzlich wenig, denn sie können sich nicht darauf verlassen. Wenn es keine klaren, nachvollziehbaren und verpflichtenden Regeln für die Verwendung bestimmter Qualitätsbegriffe gibt, dann ist Verbrauchertäuschung Tür und Tor geöffnet.

Abschließend erklärt Dr. Oetker, es sei nicht die Absicht des Unternehmens gewesen, die Verbraucher zu täuschen. Vielmehr hoffe man, durch die Stellungnahme „die entstandenen Missverständnisse“ ausgeräumt zu haben. Schöner wäre es jedoch, Dr. Oetker würde endlich die Aufmachung seines Pur-Choc-Puddings aufräumen und die irreführende Werbung mit Prozentangaben und Rechentricks unterlassen.


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