Extras


Die Monte-Story - eine Chronik

Juli 2009, Mertingen
“Die beliebte Zwischenmahlzeit”

Monte gebe es „jetzt auch als leckeren und gesunden Drink“, heißt es auf der Internetseite von Zott. Doch laut der “Genuss-Molkerei” (Zott über Zott) ist Monte nicht bloß ein „gesunder Drink“, sondern auch eine „beliebte Zwischenmahlzeit“ und der „ideale Begleiter für Schule und Freizeit“. „Mit wertvollem Traubenzucker“ steht außerdem verheißungsvoll auf der Flasche. Das klingt doch super. Oder?

Zott Monte Drink

Oktober 2009, Berlin
“Entlarvt”

foodwatch stellt fest: Das Produkt hält ins keinster Weise, was es verspricht. Der “gesunde Drink” beinhaltet 8 Würfel Zucker pro Flasche – mehr als in der gleichen Menge Coca Cola. Und nicht nur das, auch das Verdickungsmittel Carrageen und Aromen werden gleich mitgeliefert. Damit ist die “Zwischenmahlzeit” alles andere als gesund. Doch Zott sieht keinen Anlass, Aufmachung oder Produkt zu ändern.

November 2009, Berlin
“Protest”

foodwatch startet eine E-Mail-Aktion, in der sich Verbraucher über die irreführenden Aussagen direkt bei Zott beschweren können. Innerhalb kürzester Zeit beschweren sich mehrere tausend Verbraucher bei der “Genuss-Molkerei”, die Eltern eine Zuckerbombe als besonders wertvoll für ihre Kinder unterjubelt. Ziemlich schnell wird klar: Verbraucher lassen sich diesen Schwindel nicht gefallen. Einige Teilnehmer der E-Mail-Aktion an Monte kommentieren ihre Beschwerde:

Es kann nicht sein, dass ein Produkt für gesunde Ernährung wirbt und in Wirklichkeit eine Zuckerbombe ist. Da ist es ja kein Wunder, dass immer mehr vor allem Kinder fettleibig sind und auch ihre Zähne mit dem ganzen Zucker zerstören.
(Stefan S. am 14.11.2009)

Zott-Produkte kommen nicht mehr in meinen Einkaufskorb! Als Ihr jetzt ehemaliger Kunde fühle ich mich von Ihnen nicht ernst genommen und über den Tisch gezogen.
(Klaudia K. am14.11.2009)

Ich schlage vor, die für dieses Produkt Verantwortlichen vertraglich dazu verpflichten, es selbst regelmäßig zu "genießen" - vielleicht würde das zu einem sehr baldigen und nachhaltigen Überdenken der unerträglichen Werbelügen (die der Verbraucher auch noch teuer bezahlen muss) führen.
(Angelika G. am 14.11.2009)

Willst du gesund und fit durch die Wälder laufen darfst du keinen Monte Drink im Laden kaufen!
(Gerhard R. am 15.11.2009)

Ich als Kind vertraue den Erwachsenen wenn sie mir etwas Versprechen. Warum enttäuscht Ihr mich?
(Moritz S. am 16.11.2009)


März 2010, Mertingen
“Eine Reaktion, die keine ist”

Zott “reagiert” und bezeichnet Monte im Internet nun nicht mehr wörtlich als „gesunden Drink“. Stattdessen ist nun von einer „leckeren Zwischenmahlzeit“ und „gesunder Milch“ die Rede. Weiterhin preist Zott Monte auch als „idealen Begleiter für Schule und Freizeit an“. Was hat sich an der Irreführung geändert? Eigentlich nichts. Nach wie vor versucht Zott, Eltern eine Zuckerbombe als gesunden Kindersnack unterzujubeln. Statt an ein paar Sätzen auf der Webseite herumzuschrauben, sollte Zott lieber richtig reagieren und Monte als das bewerben, was es ist: eine flüssige Süßigkeit.

März-April 2010, Berlin
“Windbeutel-Wahl”

Monte von Zott ist bei weitem nicht die einzige Verbrauchertäuschung. In der Lebensmittelindustrie sind Tricks und Mogelleien gang und gäbe. Daher wird alle Jahre wieder die Werbelüge des Jahres gekürt. Verbraucher haben einen Monat lang Zeit, online abzustimmen und so den den begehrten Preis zu verleihen. Bei der Wahl 2010 nehmen 81.451 Verbraucher teil und wählen ihren Favoriten. Der Monte Drink von Zott ergattert mehr als 30.000 Stimmen (37,5 Prozent) und lässt damit die anderen nominierten Verbrauchertäuschungen weit hinter sich. Verdienterweise sichert sich Zott damit den Goldenen Winbeutel 2010. Herzlichen Glückwunsch!

April 2010, Mertingen
“Windbeutel-Verleihung”

Zott Monte Goldener Windbeutel

foodwatch fährt samt Monte Fläschchen in Menschengröße und TV-Redaktionen im Gepäck ins idyllische Mertingen, um den hart verdienten Preis überreichen. Nur: Zott mag den Windbeutel nicht annehmen und verwehrt den Zutritt – sowohl im Werk als auch im Verwaltungsgebäude. Von der Geschäftsführung wollte sich niemand äußern. Stattdessen gibt es lediglich eine Pressemitteilung zum Mitnehmen. Eine kleine Dokumentation über den Besuch bei Zott finden Sie hier.

April 2010, Mertingen
“Vollmundige Versprechen”

Die Pressemitteilung von Zott steckt voller Überraschungen: Auch wenn der Hersteller die Kritik an seinem Produkt „nicht nachvollziehbar“ nennt, will die Molkerei als Reaktion Rezeptur und Werbung des Monte Drinks offenbar überarbeiten. Ob das zuckersüße Milchmischgetränk tatsächlich die Wandlung von der Werbelüge zum etikettenschwindelfreien Produkt schafft, wird foodwatch genau beobachten.

Oktober 2010, Mertingen
“Neue Wege in der Verbraucheransprache”

Ein halbes Jahr nach der Verleihung und der vollmundigen Ankündigung von Zott, gibt die Molkerei eine neue Pressemitteilung heraus. Hier ist die Rede von einer „wegweisenden Entscheidung, Produktaussagen transparent und unmissverständlich (…) zu kommunizieren“. Zu diesem Zweck solle u.a. das Wörtchen "Zwischenmahlzeit" aus den Werbeaussagen verschwinden. Klingt ja alles schön und gut. Doch was wird dran sein, an den Versprechen?

November 2010, deutschlandweit im TV
“Die Adlers”

Screenshot Monte Website

Screenshot www.monte.eu

Fußballnationaltorwart René Adler und sein Bruder sind die Werbefiguren der neuen Monte Kampagne, die den großen Wandel herbeiführen soll. Im Spot namens “Bruderliebe” erzählen sie die Geschichte, wie René Adler durch seinen Bruder (und Monte, versteht sich) zum Fußball gekommen ist. Die “Senior Product Managerin” von Zott erklärt in einem Interview zum Werbefilm: “Wir haben die beiden als Botschafter für die Marke ausgewählt, (...) weil sie sind halt attraktiv, jung, sportlich, lebendig (...) und wir möchten auch, dass unsere Konsumenten diese Marke so erleben.” Heißt im Klartext: Neuer Auftritt, alte Botschaft. Der Nationalkeeper soll vermitteln: Monte-Produkte sind gesund und sportlich. Ist klar! Fakt ist: Weder die neue “wegweisende” Kampagne, noch die minimale “Zuckerreduzierung” des Monte Drinks von zuvor 8 auf etwa 7 Würfeln Zucker pro Flasche (die im übrigen nur für den Drink und nicht für die anderen Monte-Produkte zu gelten scheint) machen Monte zu dem, was es gerne wäre. Denn Fußball-Profi hin oder her: Monte ist und bleibt eine Süßigkeit, egal ob im Fläschchen oder im Becher.

Fazit: Zott scheint noch immer nicht zu begreifen, dass Verbraucher sich solche Irreführungen nicht mehr gefallen lassen wollen. Machen Sie deshalb mit bei der neuen Mitmachaktion und beschweren Sie sich direkt bei Zott über diese neue Täuschungsoffensive!


Pate werden

Unterstützen Sie abgespeist.de und werden Sie jetzt Projektpate [mehr]

Mitmachaktionen

Alle Mitmachaktionen im Überblick [mehr]

Newsletter abonnieren

Bleiben Sie auf dem Laufenden – einfach per Newsletter! [mehr]

Bleiben Sie mit 69025 anderen immer auf dem Laufenden – per Newsletter!


Werden Sie abgespeist-Pate!