Mitten in der Salzwüste
17.02.2011 | Stockmeyer ist nicht der einzige Hersteller von Kinderwurstprodukten, die gesund wirken sollen, doch in Wahrheit Salzbomben sind. Rote Ampeln für Salz sind die Regel für Kinderwürste, wie Sie in unserer Fotostrecke sehen. Warum das ein Problem ist und wer die Übeltäter sind:
Kinder essen zu viel Salz: Je nach Alter und Geschlecht nehmen sie täglich zwischen 4,25 und 5,5 Gramm zu sich. Das ist hoch. Zu hoch, findet auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Denn wer als Kind zu viel Salz zu sich nimmt, erhöht das Risiko, später an Bluthochdruck zu leiden. Und das kann Folgen haben: Nierenschäden, Schlaganfall, Herzinfarkt. Deswegen empfiehlt das BfR eine „Verringerung des Salzgehaltes in Lebensmitteln“. Die britische Lebensmittelbehörde FSA – die auch die Kriterien für die Festlegung der Ampelfarben entwickelt hat – empfiehlt für Kinder, je nach Alter, maximal 3 bis 5 Gramm Salz pro Tag.
Salz ist nicht grundsätzlich schlecht. Im Gegenteil: Es ist unentbehrlich für verschiedene Körperfunktionen. Nur liegen die realen Verzehrsmengen meilenweit über dem, was der Körper wirklich benötigt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) fordert deshalb „Anstrengungen zur Senkung des Kochsalzverzehrs“ und schätzt, dass für Kinder gerade einmal etwas mehr als ein Gramm Salz pro Tag lebensnotwendig sei. Tatsächlich essen Kinder deutlich mehr: Jungen im Alter zwischen sechs und elf Jahren nehmen beispielsweise 5,1 Gramm pro Tag auf. Das ist zu viel. Und es stammt zu einem großen Teil aus Wurst und Fleischprodukten.
Die Hersteller von Kinderwurst suggerieren nun, ihre Produkte seien speziell auf die „Bedürfnisse“ von Kindern abgestimmt und versuchen, besonders ausgewogen und gesund daherzukommen. Doch der Schein trügt, wie unsere Fotostrecke zeigt: Rote Ampeln für Salz sind keine Seltenheit. Klicken Sie sich jetzt durch unsere Fotostrecke.
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„Nur das Beste für Ihr Kind“ lautet der Slogan zur Kinderwurst von Reinert. Dabei stecken in 100g "Bärchen-Streich" 32g Fett (davon 11,2g gesättigt) sowie satte 2g Salz. Das macht 3 rote Ampeln. Mit „Abstimmung“ auf die Bedürfnisse von Kindern ist neben dem unverschämten Marketing scheinbar gemeint, dass auf Farbstoffe und Geschmacksverstärker verzichtet wird. Herzlichen Glückwunsch!
„30% weniger Fett durch mehr mageres Fleisch“ wird bei der Leo Lausemaus Mortadella deutlich hervorgehoben. Das soll scheinbar einen gesunden Eindruck erwecken – und über den hohen Salzgehalt hinwegtäuschen: Stolze 2,25g pro 100g Wurst.
Stolz präsentiert Reinert die Auslobung „30% weniger Fett“ und dazu eine Sieger-Plakette der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft. Blöd nur, dass diese Plakette die Bedürfnisse von Kindern gar nicht berücksichtigt. Und an einer roten Ampelkennzeichnung für den hohen Salzgehalt ändert das nichts.
Auch bei Wolf sollen Gesundheitsversprechen – 30% weniger Fett, plus Calcium und Jodsalz – offenbar über die Nährwerte hinwegtäuschen: Mit mindestens 1,8g Salz pro 100g sind die Mini-Wiener alles andere als auf die Bedürfnisse unserer Jüngsten abgestimmt.
Den Salzgehalt behandelt Gutfried wie ein Staatsgeheimnis: Auch auf wiederholte Nachfrage erhielt foodwatch keine Auskunft dazu. Immerhin: Das Kindersortiment werde zum März 2011 gestrichen. Doch mit der neuen „
Gut-drauf-Pausenbrot-Initiative“ versorgt Gutfried Lehrer mit als Unterrichtsmaterial getarnter Werbung. Ganz ohne Kinderwurst wird direkt in der Schule Wurstreklame unterrichtet…
„Der tägliche Beitrag für die gesunde Ernährung“, steht verheißungsvoll auf der Verpackung. Mit 24g Fett, davon 10g gesättigte Fette, sowie sage und schreibe 2g Salz pro 100g stünde die Ampel gleich drei Mal auf Rot. Die Würstchen sind somit eher ein täglicher Beitrag zum späteren Bluthochdruck.
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