abgespeist.de entlarvt Werbelügen auf Lebensmitteln
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Wahl zum Goldenen Windbeutel


Fotostecke: Die Kandidaten für den Goldenen Windbeutel 2010

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Beo Heimat Apfel & Birne von Carlsberg

Beo Heimat von Carlsberg

Carlsberg bewirbt seine Brause „Beo Heimat Apfel & Birne“ als „Bio-Erfrischung“ aus „rein natürlichen Zutaten" für alle, die „nachhaltig und gesund“ leben. Statt Bio-Äpfeln und Birnen steckt neben den Zusatzstoffen Zitronensäure (E330) und Ascorbinsäure (E300) jedoch nicht näher definiertes „natürliches Aroma“ in der Flasche. „Bio“ sind an der Brause damit gerade mal die 5,5% Zucker und Gerstenmalz. Trotz Bio-Siegel stammt das, was dem Getränk seinen charakteristischen Geschmack gibt, also weder aus der namengebenden Frucht, noch aus biologischem Anbau. Ausgezeichnete Qualität, Natürlichkeit, Verantwortung? Fehlanzeige!

So reagiert Carlsberg auf die abgespeist-Aktion:
Kurz und knapp antwortet Carlsberg, dass man sich sowohl bei der Beschaffung der Inhaltsstoffe als auch bei der Herstellung „streng an die EU-Bio-Verordnung“ halte. Das Problem ist aber: Hersteller wie Carlsberg nutzen die gesetzlichen Spielräume der Verordnung maximal aus. Und verkaufen ein Getränk als „Bio Erfrischung“ aus „rein natürlichen Zutaten“ ohne „künstlichen Zusätze“ obwohl es mit überflüssigen Zusatzstoffen aufgepeppt ist und statt Bio-Früchten ein undefiniertes „natürliches Aroma“ enthält.

Andreas Hoppe, „Tatort“-Kommissar und Buchautor:
„Schöner Versuch, Herr Carlsberg! Aber sich seine Pseudo-Bio-Welt auf chemische und künstliche Fakten aufzubauen, kann nur zu diesem erbärmlichen Gesöff aus falschen Äpfeln und Birnen führen. Wie immer bevorzuge ich die Äpfel direkt vom Baum.“

 

Bertolli Gegrilltes Gemüse von Unilever

Bertolli Gegrilltes Gemüse von Unilever

Seit Oktober 2009 gibt es die Pasta-Sauce „Bertolli Gegrilltes Gemüse“ mit „verbesserter Rezeptur“. So steht es zumindest gut sichtbar auf dem Etikett. Tatsächlich hat sich die Qualität der Sauce aber verschlechtert, denn der Hersteller Unilever hat im Zuge der angeblichen Rezepturverbesserung den Geschmacksverstärker Hefeextrakt, den Zusatzstoff Citronensäure E330 und ein nicht näher definiertes Aroma ins Produkt gegeben. Und das, obwohl Unilever damit wirbt, bei allen Bertolli-Produkten auf Geschmacksverstärker zu verzichten. Das Beispiel zeigt: „verbesserte Rezepturen“ sind nicht automatisch Verbesserungen im Sinne der Verbraucher.

So reagiert Unilever auf die abgespeist-Aktion:
Mit seiner Reaktion zeigt Unilever vor allem eines: Das „Gegrillte Gemüse“ hat es zu Recht auf abgespeist.de geschafft. Auch in seiner Antwort an die Teilnehmer der E-Mail-Aktion liefert das Unternehmen keine schlüssige Erklärung dafür, warum die Zugabe von Aroma, Geschmacksverstärker und dem Zusatzstoff Citronensäure E330 ein Produkt verbessern sollen. Und damit bleiben die Hinweise auf „verbesserte Rezepturen“ das, was sie sind: ein frecher Marketingtrick und ein klarer Fall von Etikettenschwindel.

Tobias Schlegl, NDR-„Extra 3“-Moderator:
„Gratulation an das Unternehmen – besser kann man Verbraucher nicht austricksen. Jeder Italiener wäre beschämt, wenn er eine solche Pastasauce serviert bekäme, und eine original italienische Mamma würde garantiert das Nudelholz schwingen. Völlig zurecht.“

 

Der Gelbe Zitrone-Physalis von Pfanner

Der Gelbe Zitrone-Physalis von Pfanner

Leuchtend gelb prangen großflächige Fotos der Physalis, der „süßen Frucht der Verführung“ und der Hinweis auf den „Gelben Tee“, der als besonders hochwertig gilt, auf der Verpackung. Blöd nur, dass Gelber Tee gerade einmal zu 15% enthalten ist und es die Physalis überhaupt nicht ins Produkt geschafft hat. Lediglich Aroma imitiert den Geschmack. Dafür ist „Der Gelbe Zitrone-Physalis“, vom Hersteller vollmundig als Wellness-Tee beworben, eine richtige Zuckerbombe. Denn in dem 2-Liter-Tetrapak stecken ganze 47 Stück Würfelzucker.

So reagiert Pfanner auf die abgespeist-Aktion:
Auf die Frage, was Physalis im Namen und auf der Verpackung sucht, wenn sie im Getränk gar nicht vorkommt, hat Pfanner keine Antwort. Man scheint sich keiner Schuld bewusst, Verbraucher an der Nase herumgeführt zu haben. Statt auf die Kritik einzugehen, hat man zwei Gutachten bestellt, die bestätigen, alles „sachgerecht“ deklariert zu haben. Doch wie das Beispiel „Der Gelbe“ deutlich zeigt, kann auch ein im Kleingedruckten „sachgerecht“ deklariertes Produkt Verbraucher täuschen – und zwar durch irreführende Aufmachung, Werbung und Produktpräsentation. Denn hier wird so getan als stecke Physalis drin, wo keine drin ist. Und das ist schlichtweg Etikettenschwindel.

Astrid Frohloff, Journalistin und Fernsehmoderatorin:
„Für mich verdient ‚Der Gelbe’ von Pfanner den Goldenen Windbeutel. Eine süße Frucht der Verführung wird uns da versprochen, Physalis soll drin sein – und wenn man genau hinschaut, von Physalis keine Spur, stattdessen nur Aromastoffe. So viel Chuzpe muss man erstmal haben.“

 

Duett Champignon Creme-Suppe von Escoffier

Duett Champignon Creme-Suppe von Escoffier

Eine „Kochkreation“ von „Gourmet-Köchen“ mit „feinsten Zutaten“ in „Anlehnung an die Spitzengastronomie“, sagt Escoffier. Eine Tütensuppe in der Dose, sagt foodwatch. Denn die Zutaten der vermeintlichen Qualitätssuppe unterscheiden sich wenig von einer Standard-Tütensuppe – Zusatzstoffe, Aromen und Geschmacksverstärker inklusive. Da hilft es auch nicht viel, dass die Escoffier-Suppe in zwei Dosen daherkommt – eine Dose für das Pulver, eine für das aromatisierte Salzwasser, den „Fond“. Mitentwickelt wurde das übrigens angeblich von Spitzenkoch Alfons Schuhbeck, der Produkte wie die „Escoffier Duett Champignon Creme-Suppe“ auch empfiehlt und bewirbt – Etikettenschwindel mit Promi-Bonus also.

So reagiert Escoffier auf die abgespeist-Aktion:
Escoffier begründet die horrenden Preise seiner Produkte mit dem mitgelieferten „Fond“ und der „hochwertigen Verpackung aus Weißblech“. Die angeblichen Feinschmecker geben also offen zu, dass Verbraucher den Aufpreis nicht für eine höhere Qualität bezahlen, sondern für gesalzenes, aromatisiertes Wasser in Dosen.

Ullrich Fichtner, Journalist und Spiegel-Autor:
„Mein Favorit für den Goldenen Windbeutel ist die Escoffier Duett Champignon Creme-Suppe in zwei Teilen. Sie tut so, als wäre sie Kochen, dabei ist sie auch nur Industrienahrung wie jede andere. Sie wird empfohlen von Alfons Schuhbeck, dem beliebten Spitzenkoch, der seinem Namen damit keine große Ehre macht.“

 

Monte Drink von Zott

Monte Drink von Zott

Zott suggeriert, Monte sei gesund, mit „wertvollem Traubenzucker“, ein „idealer Begleiter für Schule und Freizeit“ und geeignet als „Zwischenmahlzeit“. Doch in dem „Milchmischgetränk“ steckt jede Menge Zucker. Umgerechnet 8 Stück Würfelzucker stecken in einem Fläschchen Monte – mehr als in der gleichen Menge Cola. „Wertvoll“ oder gesund ist weder der Traubenzucker, noch die ganze aromatisierte Zucker-Milchcreme-Mischung. Zott jubelt Eltern eine Zuckerbombe als gesunde Zwischenmahlzeit unter – unverschämter kann man nicht täuschen. Monte Drink ist kein ausgewogener, gesunder Pausensnack, sondern ganz einfach eine flüssige Süßigkeit.

So reagiert Zott auf die abgespeist-Aktion:
Wer ist schuld? Die Verbraucher! Diesen Eindruck erweckt jedenfalls die Antwort von Zott an die Teilnehmer der Mitmach-Aktion. Konsumenten würden völlig ungesüßte Produkte geschmacklich ablehnen, schreibt der Hersteller. Also bleibe nichts anderes übrig, als den „gewünschten Süßgeschmack“ mit „so wenig Zucker wie möglich“ herzustellen. Aha. Wie dabei dann ein Getränk herauskommen kann, das mehr Zucker als Cola enthält, erklärt Zott leider nicht.

Frank-Markus Barwasser, Schauspieler und Kabarettist alias Erwin Pelzig:
„Das ist der Monte Drink von Zott. Eine beliebte Zwischenmahlzeit, sagt Zott. Der ideale Begleiter für die Schule, sagt Zott. Enthält allerdings umgerechnet acht Stück Würfelzucker, mehr als die gleiche Menge Cola – eine zuckersüße Kalorienbombe. Sagt Zott natürlich nicht. Aber deshalb ein heißer Kandidat für den Goldenen Windbeutel 2010, sagt foodwatch. Und das würde ich auch sagen.“

 

Downloads zum „Goldenen Windbeutel“

Downloads

Hier finden Sie einen übersichtlichen Flyer zum Ausdrucken und Weitergeben. Außerdem ein ausführliches Kompaktinfo zum Goldenen Windbeutel mit allen Nominierten und einen kurzen Infoflyer zur Kampagne abgespeist.de.

 

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